Jakobsweg Karte

Etappe 33: Am Ziel: Santiago de Compostela

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Am nächsten Morgen besuchte ich die Messe in der Kathedrale. Ich hatte mich mit einem Freund verabredet und es war schön, diesen Moment mit jemandem teilen zu können.

Ich stieg die Stufen zum Hochaltar hinauf und umarmte, nach altem Ritual, von hinten die Statue des Apostels Jakobus. In der Jakobus-Krypta sind in einem Silberschrein die sterblichen Überreste des Heiligen aufbewahrt. Dann wurde die feierliche Messe gehalten und sogar der berühmte Weihrauchwerfer (botafumeiro) kam zum Einsatz.

So ganz zur inneren Einkehr gelangte ich allerdings nicht. Auch während der Messe waren ständig Touristen in der Kirche unterwegs, die sich teilweise auch noch lautstark unterhielten. Ich fand in dieser touristischen Inszenierung nicht so ganz mein Ankommen in Santiago.

Richtig unter die Haut ging mir dagegen die Ausstellung meiner Compostela. Zwar werden die Pilgerurkunden wie am Fließband in einem einfachen Büro ausgestellt, aber dieses Blatt Papier in Händen zu halten war für mich, ganz unerwartet, der große Abschluss meines Abenteuers.

Nachdem nun alle wichtigen Dinge erledigt waren, konnte ich die pulsierende Stadt Santiago bis zu meiner Abreise genießen. Ich schlenderte durch die sagenhafte Altstadt mit ihren unzähligen historischen Bauten, an Souveniershops vorbei, setzte mich dann und wann in ein Café, traf viele bekannte Gesichter, und – fühlte mich federleicht ohne meinen Rucksack!

Interessante Eindrücke über Galicien erlangte ich im Museo do Pobo Galego. Früher war das Gebäude ein Nonnenkloster und die spiralförmige, verwirrende Treppe diente zur Abschreckung nächtlicher Besucher, wie ich erfuhr. Eine ruhige Andacht bescherte mir ein spontaner Besuch der Kirche Santa Clara.

Es kam der Tag meiner Rückreise. Ich hatte ein Zugticket bis nach Hendaye und wollte im Anschluss mit dem Nachtzug über Paris zurück nach Hause. Pünktlich und reisefertig erschien ich am Bahnhof und was dann passierte war wirklich nicht zu toppen: mein Zug stand nicht auf der Anzeigetafel!

Nach vielen Nachfragen erfuhr ich schließlich das alle Züge an diesem Tag ausfielen, es wurde gestreikt. Auf meine Frage, wie ich nun meinen Anschlusszug in Hendaye erreichen sollte bekam ich nur ein unfreundliches Achselzucken und wurde weggeschickt.

Unglaublich! Was dann folgte war ein einziges Heimreisefiasko. 54 Stunden (!!!) später, total müde, kam ich erst zuhause an. 
Glücklich und auch ein bisschen stolz konnte ich endlich meine Familie wieder in die Arme schließen.

Mein Camino-Abenteuer war zu Ende.

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